AUSSTELLUNG
the happy end
Im Märchen wird die Prinzessin vom Prinzen gerettet.
Im echten Leben tötet fast jeden Tag ein Mann seine (Ex-)Frau.
Die Ausstellung geht von Märchenerzählungen der Brüder Grimm und ihrer visuellen Prägung durch Disney-Adaptionen aus. Beide haben ein Bild von
Geschlechterrollen verfestigt, in dem weibliche Figuren als passiv, schön und schutzbedürftig erscheinen, während männliche Figuren als handelnde Retter inszeniert werden. Das Happy End ist dabei eng an romantische Liebe und Partnerschaft gebunden. Diese Erzählstruktur vermittelt die Idee, dass Glück, Sicherheit oder Vollendung von außen kommen und an Beziehungen geknüpft sind.
Dadurch werden Vorstellungen von Abhängigkeit und Schutz kulturell mitgeprägt.
Die Ausstellung stellt diese Logik einer Realität gegenüber, in der Partnerschaft für viele Frauen auch ein Ort von Kontrolle, Gewalt und Abhängigkeit sein kann. Geschlechtsspezifische Gewalt ist dabei kein
Einzelfall, sondern Ausdruck struktureller Machtverhältnisse.


///
Hannah Uhlmann (*1999 in Leipzig) studiert Medienkunst und Gestaltung im Master an der Bauhaus-Universität Weimar. Neben ihrem Studium arbeitet sie als kunstvermittelnde Pädagogin sowie in der Textilwerkstatt der Universität.
Ihre künstlerische Praxis bewegt sich zwischen Fotografie, digitalen Medien und Installation und verbindet unterschiedliche Materialien, Techniken und Ansätze, gelegentlich auch mit performativen Elementen. In jüngerer Zeit liegt ihr Fokus auf
3D-Design und Animation sowie einer kritischen Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz.
Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit sind textile Praktiken, die sie sowohl in traditionellen als auch zeitgenössischen Kontexten untersucht, insbesondere im Hinblick auf deren gesellschaftliche, historische und politische Dimensionen und ihr Potenzial als feministische Ausdrucks-und Protestform.
Zentral ist dabei das Zusammenspiel analoger und digitaler Prozesse, in dem sie physische Realitäten in digitale Formen übersetzt und digitale Elemente wieder in den physischen Raum zurückführt.
THE HAPPY END
Ein Projekt von Hannah Uhlmann
//Triggerwarnung//
Die Ausstellung thematisiert geschlechtsspezifische Gewalt, häusliche Gewalt und Femizide. Sie enthält jedoch keine expliziten Darstellungen von Gewalt, keine grafischen Bilder und keine detaillierten Beschreibungen von Gewalthandlungen. Trotz dieser indirekten Darstellung können die Inhalte emotional belastend oder retraumatisierend wirken. Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ (Deutschland) 116 016 kostenlos, anonym, 24/7, auch Chat & mehrsprachig
Femizide sind Tötungen von Frauen aufgrund ihres Geschlechts, meist im Kontext von Partnerschaft oder Trennung. Nach Angaben des Bundeskriminalamt wurden in Deutschland im Jahr 2024 360 Frauen und Mädchen Opfer vollendeter Tötungsdelikte, ein erheblicher Teil im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Nahezu täglich wird eine Frau Opfereines versuchten oder vollendeten Femizids durch ihren (Ex-)Partner.
Die Ausstellung fragt, wie kulturelle Erzählungen Vorstellungen von Beziehung, Rettung und Abhängigkeit prägen und welche Realitäten dadurch unsichtbar bleiben.


